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Eberhard Zangger: Atlantis = Troja

Atlantis vom Himmel zurück auf die Erde geholt

© März 2017 Thorwald C. Franke



Eberhard Zangger (1958-) ist studierter Geoarchäologe mit einem PhD der Stanford Universität in den USA. Er führte Ausgrabungen und Untersuchungen u.a. in Tiryns, Pylos und Monastiraki durch, mit dem Schwerpunkt bronzezeitlicher Wasserbau-Ingenieurkunst.


Bild: Atlantis – Eine Legende wird entziffert, 1992.

Atlantishypothese

Im Jahr 1992 überraschte Eberhard Zangger die Fachwelt mit seinem Buch The Flood from Heaven – Deciphering the Atlantis Legend, in dem er die These aufstellte, dass Platons Atlantis und Homers Troja, das seit Schliemanns Zeiten bei Hissarlik in der Türkei verortet wird, identisch seien. Die These wurde 1993 durch einen Artikel im Oxford Journal of Archaeology untermauert, mit dem Titel: Plato's Atlantis Account – A distorted recollection of the Trojan War.

Eine fast schon legendäre Popularität erlangte Zanggers These jedoch erst Ende 1998, als das führende deutsche Nachrichtenmagazin Der Spiegel die Atlantishypothese von Eberhard Zangger als Titelgeschichte brachte: Das Puzzle des Philosophen. Dieser Artikel von Matthias Schulz bewirkte, dass die Frage nach Atlantis erstmals seit langem wieder einer breiteren Öffentlichkeit unter wissenschaftlichen Gesichtspunkten nahe gebracht wurde.

Damit hatte Eberhard Zangger die Frage nach Atlantis gewissermaßen wieder vom Himmel zurück auf die Erde geholt, und einen bleibenden öffentlichen Maßstab für eine wissenschaftliche Behandlung des Themas gesetzt: Mit historisch-kritischem Denken wurde die öffentliche Aufmerksamkeit auf das Ende der Bronzezeit und die sogenannten Seevölkerkriege im östlichen Mittelmeerraum gelenkt. Nebenbei bewirkte Zangger, dass die Seevölker von ihrem "nordischen" Kontext befreit wurden, in dem sie in der öffentlichen Wahrnehmung bis dahin durch die Werke von Jürgen Spanuth fälschlicherweise gestanden hatten. Außerdem durchbrach Zangger die einseitige Fixierung auf den Vulkanausbruch von Santorini als möglichem historischem Hintergrund von Platons Atlantiserzählung.

Auch der Autor dieser Zeilen wurde damals maßgeblich durch diesen Spiegel-Artikel über Eberhard Zanggers Hypothese zur Beschäftigung mit Platons Atlantis angeregt, und verdankt diesem Artikel von Matthias Schulz von Anfang an einige grundlegend richtige Orientierungen, die wegweisend waren. Es ist sicher nicht übertrieben zu sagen, dass, sollte Atlantis jemals gefunden werden, Eberhard Zangger und dieser Spiegel-Artikel einen wichtigen Beitrag auf dem Weg dorthin geleistet haben werden.


Bild: Ein Neuer Kampf um Troia, 1994.

Wissenschaftliche Reaktion

Die Reaktion der etablierten Wissenschaft auf Zanggers Atlantishypothese war durch eine pauschale und dogmatische Ablehnung gekennzeichnet. Die vorgebrachten Gegenargumente waren fast ausschließlich oberflächlich, veraltet und falsch, vor allem aber waren sie durch Rücksichtslosigkeit und Spott gekennzeichnet, die auf die Untergrabung der Reputation von Eberhard Zangger abzielten. Sei es, dass Zangger mit einer kleinen Notiz abgespeist und "Däniken" genannt wurde. Sei es, dass er lediglich als "Geologe" bezeichnet wurde, um ihm seine archäologische Kompetenz abzusprechen. Sei es, dass legitime Quellenkritik und historisch-kritisches Interpretieren als "umfrisieren" verunglimpft wurde. Sei es, dass Platon "phantastische" Ausschmückungen von Atlantis unterstellt wurden, um ihn nicht ernstnehmen zu müssen. Sei es, dass man die Ernsthaftigkeit von Platons Werk in zynischer Ironie aufgelöst sehen wollte. Sei es, dass Aristoteles als angeblicher Zeuge gegen die Existenz von Atlantis beigezogen wurde. Sei es, dass Atlantisbefürworter als "naive Leser" abqualifiziert wurden. Sei es, dass der damalige Irrtum der Griechen über das Alter Ägyptens glatt ignoriert wird. Oder sei es, dass man schlicht meinte, Atlantis suchen sei wie Liliput suchen. – Einzig die Autoren Bloedow und Spina veröffentlichten eine sachliche Zurückweisung von Zanggers These, die ernst zu nehmen ist.

Hinzu kam, dass Eberhard Zangger unvermutet mit seiner Atlantishypothese zu Troja in ein Wespennest anderweitig schwelender Kontroversen gestochen hatte. Zum einen stritt man sich über Größe und Bedeutung der Stadt Troja. Zum anderen wurde Troja von der türkischen Politik instrumentalisiert, eine "anatolische" Identität für Homer und Troja zu konstruieren, mithilfe derer man eine kulturelle Legitimation für den Beitritt zur EU zu erlangen hoffte, ja sogar die Türkei zur Wiege der menschlichen Zivilisation überhaupt stilisierte. Die deutsche Politik und der Daimler-Benz-Konzern halfen kräftig bei der Entwicklung dieser pseudo-wissenschaftlichen Thesen mit, wie Frank Kolb dokumentierte. Die Aufwirbelung dieser Kontroversen durch Zanggers These kann im Nachhinein nur als erfrischend bezeichnet werden.


Bild: Die Zukunft der Vergangenheit, 1998.

Luwian Studies

Hinter der Atlantisthese von Eberhard Zangger stand noch eine andere, vom Thema Atlantis unabhängige These: Dass die archäologische Forschung zu sehr auf Griechenland konzentriert sei, und Kleinasien vernachlässigt hätte. Schon in seinen folgenden Büchern, die 1994 und 1998 erschienen und noch auf seine Atlantisthese Bezug nahmen, konzentrierte sich Eberhard Zangger immer mehr auf diese These.

Nach einer längeren Auszeit, in der er als Unternehmensberater tätig war (weil er von der etablierten Wissenschaft gemobbt wurde?), trat Eberhard Zangger im Jahr 2016 als Präsident der neu gegründeten Stiftung Luwian Studies wieder ans Licht der Öffentlichkeit, für die er prominente Unterstützer gefunden hat. Jetzt hat sich Zanggers These von der vernachlässigten archäologischen Erforschung Kleinasiens zu der These verdichtet, dass dort eine ganze Hochkultur, nämlich die Luwier, praktisch bis heute übersehen worden seien. Von Atlantis ist dabei konsequent nicht mehr die Rede.


Bild: Eberhard Zangger und: The Luwian Civilization, 2016.

PS 27.12.2017

Im Oktober 2017 veröffentlichte Zangger das Buch "Die Luwier und der Trojanische Krieg: Eine Entdeckungsgeschichte", in dem er seine Altantishypothese vorsichtig wiederholte, ohne sich von ihr zu distanzieren. Das, und seine Darstellung von Troja (angeblich gemäß dem mittelalterlichen Autor Guido de Columnis), zeigen, dass Zangger immer noch auf dieser Spur ist. Es ist jedoch nicht mehr sein Fokus. Zanggers Fokus sind nun die Luwier im allgemeinen. In diesem Zusammenhang sieht sich Zangger nun einem anderen Problem gegenüber: Wichtige Quellen, die er in seinem neuen Buch präsentiert, sind nicht im Original verfügbar, sondern existieren nur als Abschriften von Abschriften. Einge Wissenschaftler sprechen von Fälschung. Ein weiterer Gelehrtenstreit scheint unvermeidlich.

PS 14.03.2017

Zangger hat jetzt die Öffentlichkeit darüber informiert, dass diese Quellen in der Tat Fälschungen eines gewissen James Mellaart sind.

Externe Links:

https://de.wikipedia.org/wiki/Eberhard_Zangger
https://de.wikipedia.org/wiki/Troja-Debatte
http://luwianstudies.org/de/

Literatur:

Werke Zanggers:

Kritik an Zanggers Atlantishypothese:

Anderes:



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